NDR - Kultur Huschkes kleine Nachtmusik Folge 26 Stinktier

NDR - Kultur Huschkes kleine Nachtmusik Folge 26 Stinktier

Huschkes kleine Nachtmusik 26

Das Stinktier

Es war einmal ein Stinktier. Das war ärgerlich, weil viele Tiere es mieden, ohne es persönlich zu kennen. So entschied es eines Tages - sich neu erfinden zu wollen. Es lernte auf den Hinterbeinen zu laufen, holte sich die besten Parfums, Perücken aus feinstem Kamelhaar und edelste Bekleidung aus kostbarster Seide.
Es wandelte sich derart grundlegend, dass es nicht nur zum Hauptgesprächsstoff im Wald wurde, sondern jeder Bewohner des Waldes ganz versessen darauf war es als Freund zu wissen und oft zu Besuch zu haben. Die Kunde vom neuen edlen Bürger im Reich der Tiere verbreitete sich über die Waldgrenzen hinweg bis hin nach Stinkistan, von wo schließlich auch die meisten Heiratsanträge kamen. Doch eines Tages, bei einem großen Fest, war das Stinktier so betrunken, daß es seinen üblen Geruch nicht länger halten konnte. Die Gesichter der Gäste liefen gelb an und mit Getrampel polterte das Stinktier auf allen vieren jolend durch die Menge. Die Perücke rutschte vom Kopf, die Kleider bekamen Risse und schließlich landete es Hals über Kopf in der Festtorte. Seit diesem Tag genoss es nun um so mehr unter Seinesgleichen zu sein, denn die Verstellung war auf Dauer doch sehr anstrengend. Und die Moral von der Geschicht:

Bleibt aussen vor – es gibt sie nicht.

Huschkes kleine Nachtmusik 26

(Text & Fotos © 2008 Wolfram Huschke)